Unsere Weltreise

Warum wir Lernen auf Reisen neu denken mussten

Unser Weg zum Worldschooling · Teil 1

 

Wir dachten, wir wären gut vorbereitet. Sehr gut sogar.

Seit vielen Jahren arbeiten wir im Bildungsbereich. Lernen zu begleiten, Strukturen zu entwickeln, Inhalte verständlich aufzubereiten und junge Menschen durch Lernprozesse zu führen, gehört zu unserem Alltag. Als wir uns entschieden haben, mit unserer Familie länger zu reisen, schien eine zentrale Frage deshalb schnell beantwortet:

Das Lernen bekommen wir schon hin.

Unsere Schule unterstützte unsere Reisepläne zwar von Anfang an, aber konkrete Hilfen beim Thema Lernen auf Reisen gab es nicht.
Es gab keine Materialien, keine konkreten Vorgaben, keine begleitenden Strukturen. Nur die Aussage: Die Kinder müssen den verpassten Schulstoff selbstständig erarbeiten.
Zunächst erschien uns das nicht problematisch. Wir gingen davon aus, dass wir diese Lücke problemlos schließen könnten. Schließlich verfügten wir über Erfahrung, pädagogisches Wissen und ein hohes Verantwortungsbewusstsein.

 

Also fassten wir vor unserer Reise einen klaren Entschluss:
Wir wollten eng am Schulstoff bleiben, möglichst nichts verpassen und dafür sorgen, dass der Übergang zurück jederzeit problemlos möglich sein würde.

Was wir unterschätzt haben, war nicht der Lernstoff. Es war der Druck, der damit einherging. Und das Schaffen von geeigneten Strukturen auf Reisen, was sich bei ständig wechselnden Orten und immer wieder neuen Lebensbedingungen, auf die wir uns alle immer wieder einstellen müssen, als beinahe unmöglich erwies.

 

Wenn Lernen auf Reisen zur Belastung wird

Lernen unterwegs klang in der Theorie gut machbar.
In der Praxis fühlte es sich jedoch zunehmend schwer an.

 

Wir versuchten, feste Strukturen zu etablieren, regelmäßige Lerneinheiten einzuplanen und Inhalte systematisch abzuarbeiten. Doch Reisen ist kein normaler Alltag. Orte wechseln, Eindrücke sind intensiv, Tage verlaufen unvorhersehbar – und die Energie schwankt, bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen.

Der Anspruch, Schule nahezu eins zu eins zu ersetzen, erzeugte Spannung.
Nicht sofort. Aber stetig.

Lerneinheiten wurden kürzer.
Diskussionen häufiger.
Die Motivation bei uns allen brüchiger.

Je weniger wir schafften, desto stärker meldete sich das schlechte Gewissen.
Und je größer dieses schlechte Gewissen wurde, desto höher war der innere Druck, doch wieder „mehr zu machen“.

Dieser Druck blieb nicht folgenlos.
Er führte zu Belastung.
Zu Konflikten.
Und irgendwann auch zu der ehrlichen Frage, die wir uns nicht länger wegschieben konnten:

Wollen wir, dass Lernen auf Reisen so aussieht?

 

Der Moment, in dem wir losließen

Der Wendepunkt kam nicht durch einen neuen Plan, eine bessere Methode oder ein weiteres Lernkonzept.
Er kam durch Begegnungen.

In Hoi An schlossen wir uns einer lebendigen Community reisender Familien aus aller Welt an. Dort trafen wir Menschen, die ebenfalls unterwegs waren, die ebenfalls Verantwortung übernahmen – und Lernen dennoch ganz anders gestalteten, als wir es bis dahin für möglich gehalten hatten.

An diesem Punkt wurde uns zum ersten Mal klar:
Es gibt unendlich viele Wege, wie Lernen auf Reisen aussehen kann.

Viele der Familien, die wir kennen gelernt haben, leben die Idee des Worldschooling. Nicht als festes Konzept, sondern als innere Haltung zu Bildung und Lernen.

  

 

Was ist Worldschooling?

Worldschooling bedeutet nicht, dass Kinder „nicht lernen“.
Und es bedeutet auch nicht, dass Schule pauschal abgelehnt wird.

Im Kern beschreibt Worldschooling die Idee, dass Lernen überall stattfinden kann – nicht nur in Klassenzimmern und nicht nur entlang von Lehrplänen.
Lernen wird dabei nicht vom Leben getrennt, sondern bewusst mit dem Alltag verbunden.

 

Reisen ist kein Hindernis für Bildung, sondern ein Lernraum an sich.
Kinder lernen durch Orte, Begegnungen, Gespräche, Herausforderungen und echte Fragen.

Worldschooling ist dabei weder völlige Freiheit noch völlige Struktur.
Es bewegt sich zwischen beidem.

Grundlagen werden gepflegt, Interessen aufgegriffen, Themen vertieft.

Aber nicht aus Angst, etwas zu verpassen – sondern aus Sinn und Zusammenhang heraus.

 

Perspektivwechsel

In Hoi An erlebten wir Kinder und Jugendliche, die lernten, weil sie interessiert waren - nicht, weil ein Arbeitsblatt erledigt werden musste. Wir sahen Eltern, die Impulse gaben, statt permanent zu kontrollieren.
Lernen, das aus Erlebnissen entstand, aus Gesprächen, Projekten, Beobachtungen und Begegnungen. - Aus dem Leben eben!

Dieser Perspektivwechsel war befreiend und gleichzeitig herausfordernd.

Denn loszulassen bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben, es bedeutet, sie neu zu definieren.

Seitdem machen wir ganz bewusst Worldschooling. Nicht als Ideologie, nicht als Gegenentwurf zu Schule und nicht als Modell, das für alle passen muss. Sondern aus unserer persönlichen Haltung heraus.

Wir greifen Impulse auf, die aus unserem Alltag entstehen. Wir vertiefen Themen, wenn echtes Interesse da ist. Wir wenden Wissen an, statt es nur zu organisieren. So leben wir Bildung aus der Lebenswirklichkeit unserer Kinder heraus. Nicht als starres Korsett, in das man sie zwängt.

Mathematik begegnet uns im täglichen Leben.
Sprache im Gespräch.
Geografie an Orten, die wir erleben.
Geschichte dort, wo sie greifbar wird.
Kultur dort, wo wir ihr begegnen.

Das Lernen ist nicht immer sofort sichtbar. Aber es ist nachhaltig.

Und vor allem: Es passt wieder zu uns als Familie.

 

Ein Gedanke zum Schluss – und eine Einladung

Vielleicht erkennst du dich in Teilen wieder. In dem Druck. In dem Anspruch. In dem Wunsch, alles richtig machen zu wollen.

Wenn Lernen auf Reisen für euch gerade schwer ist, lohnt es sich vielleicht nicht, noch mehr zu planen oder konsequenter zu sein – sondern den Blick zu verändern.

Wenn du mehr über die Idee des Worldschooling erfahren möchtest und uns dabei begleiten möchtest, wie wir Worldschooling ganz konkret auf Reisen leben, abonniere unseren Newsletter und folge uns auf Instagram.

Warum wir uns für ein Reisejahr entschieden haben – und was es mit unserem Mindset gemacht hat

Irgendwann gegen Ende des Jahres 2023 haben wir eine Entscheidung getroffen, die unser Leben komplett auf den Kopf stellen würde: Wir nehmen uns eine Auszeit, ein ganzes Jahr, um die Welt zu bereisen. Ein Sabbatjahr – etwas, das für uns lange wie ein schöner Traum klang, aber nie wirklich greifbar war. Doch je mehr wir uns damit befasst haben, desto klarer wurde: Das ist nicht nur ein Traum. Es ist machbar. Es braucht nur das richtige Mindset.

 

Der erste Funke: Warum eigentlich nicht?

Die Idee kam nicht über Nacht. Es war ein schleichender Prozess, ein Gedanke, der immer wieder aufkam, wenn wir von unseren langen Reisen mit unserem Wohnmobil zurückkehrten, in Reiseerinnerungen schwelgten oder uns von Dokumentationen inspirieren ließen. Eigentlich ist unsere Entscheidung im Nachhinein betrachtet nur die logische Konsequenz unserer bisherigen Reiseaktivitäten. Aber da war auch immer diese Stimme im Kopf: Geht das überhaupt? Können wir das wirklich machen?

Anfangs überwogen die Zweifel: der Job, das Haus, die Finanzen, die Schule der Kinder, all die Verpflichtungen des Alltags. Doch dann drehten wir die Frage um: Warum eigentlich nicht? Was hält uns wirklich davon ab?

Mindset: Von „irgendwann“ zu „wir Reisen Jetzt!“

Wir begannen, uns bewusster mit dem Thema zu beschäftigen. Je mehr wir darüber sprachen, desto realer wurde die Vorstellung. Wir lasen Reiseblogs, hörten Podcasts, sprachen mit Menschen, die Ähnliches gewagt hatten. Und vor allem machten wir uns klar: Es gibt immer Gründe, etwas nicht zu tun – aber wenn wir es wirklich wollen, gibt es auch Wege, es möglich zu machen. - Und diese Wege wollen wir jetzt gehen. 

Mit jedem konkreteren Gedanken wurde die Liste der Dinge, die wir klären mussten, länger. Und das war ein gutes Zeichen! Denn es bedeutete, dass wir uns nicht mehr fragten, ob wir es tun, sondern wie wir es umsetzen.

Die To-do-Liste wuchs – und unser Mut auch

Ein Sabbatjahr bedeutet weit mehr als nur eine lange Reise. Es bedeutet, sein komplettes Leben für eine Weile umzustellen. Plötzlich standen wir vor großen Fragen:

  • Job: Wie gelingt es uns, als Selbstständige unseren Betrieb komplett auf Remote-Business umzustellen? 
  • Haus: Vermieten oder leer stehen lassen?
  • Finanzen: Wie viel kostet das? Wo können wir sparen?
  • Schule: Was bedeutet das für unsere Kinder? Können wir eine Schulbeurlaubung durchsetzen?
  • Route: Welche Länder wollen wir sehen? Wie planen wir sinnvoll?

Am Anfang fühlten sich diese Fragen wie riesige Hürden an. Doch je tiefer wir einstiegen, desto mehr merkten wir: Alles ist lösbar. Manche Dinge brauchen Mut, andere eine Menge Organisation, aber nichts davon ist unmöglich.

Der Wendepunkt: Wir setzen es in Bewegung

Nachdem wir ein halbes Jahr lang an unserem Mindset gearbeitet hatten, folgten die ersten konkreten Schritte. So richtig verbindlich wurde es aber erst, als wir unseren Plan nicht mehr nur für uns behielten, sondern begannen, darüber zu sprechen. Wir erzählten Familie und Freunden davon – und plötzlich fühlte es sich nicht mehr nur wie eine Idee an, sondern wie eine Realität in der Mache.

Natürlich gab es skeptische Reaktionen. Und was ist mit eurem Betrieb? Ist das nicht riskant? Wie macht ihr das mit der Schule?

Klar, das sind berechtigte Fragen. Aber wir hatten uns bereits so intensiv damit auseinandergesetzt, dass wir darauf Antworten hatten. Und vor allem hatten wir eins: Die Überzeugung, dass wir das Richtige tun.

Was wir aus diesem Prozess gelernt haben

Eine Weltreise zu planen, ist eine riesige organisatorische Aufgabe. Aber die eigentliche Herausforderung beginnt im Kopf. Sich wirklich auf die Idee einzulassen, anstatt sie nur als „irgendwann mal“ abzutun – das war der größte Schritt.

Unser Learning: Wenn man sich mit einer großen Idee intensiv beschäftigt, verliert sie ihren Schrecken. Die Hürden werden greifbarer – und damit lösbarer. Und am Ende ist es oft nur eine Frage des Mindsets: Träumst Du weiter – oder setzt Du den ersten Schritt?

Wir haben unseren ersten Schritt gemacht. Unsere Reise beginnt.

Irene und Sebastian

Irene & Sebastian | wirreisenjetzt.de