Unsere Weltreise

Ein Jahr - und was nun?

Es gibt Momente, in denen man innehält und merkt, dass etwas zu Ende geht, weil die Zeit einfach vergangen ist. Still, fast unmerklich, wie immer.

Ein Jahr. Wir sind seit einem Jahr unterwegs.

 

Zwischen Aufbruch und Abschied

Unsere Zeit in Hoi An geht langsam zuende. Die Koffer werden leichter, weil wir uns von Ballast trennen – Dinge, die wir mitgeschleppt haben und die hier bleiben werden. Was nehmen wir mit nach Deutschland? Was von diesem Leben in Vietnam passt in einen Koffern, einen Rucksack, in ein Haus, in einen Alltag, der noch gar nicht existiert?

Diese Fragen stellen wir uns, während wir unser Haus ausräumen, Schrank für Schrank, Zimmer für Zimmer. Es ist ein komisches Gefühl. Man räumt nicht nur einen Haushalt leer – man räumt auch in sich auf.

 

Was uns zur Rückkehr zwingt

Wir wollen ehrlich sein: Wir sind noch nicht fertig mit dem Reisen. Keiner von uns. Wenn es nach uns ginge, würden wir einfach weiterreisen. Immer weiter. Noch ein Land, noch eine Stadt, noch ein Morgen in einem anderen Teil der Welt.

Aber wir haben Verpflichtungen. Beruf, Leben, Deutschland. Und vor allem: die Schule. Als wir vor einem Jahr aufgebrochen sind, hatten wir alles so eingerichtet, dass es für ein Jahr funktioniert. Und das hat es - tatsächlich, in jeder Hinsicht. Aber die Schulpflicht lässt sich nicht weiter vertagen. Sie ist es, die uns nun zurückruft. Ohne sie würden wir schlicht nicht heimfahren.

 

Die Auszeit war das Beste, was wir uns geben konnten

Wenn wir eines mit Sicherheit sagen können, dann das: Diese Auszeit war das Beste, was wir uns und unseren Kindern geben konnten.

Wir sind gewachsen. Alle fünf, jeder auf seine Weise. Wir haben gelernt, zu vertrauen - der Welt, den Menschen, uns selbst. Wir sind mutiger geworden, erfahrener, entspannter im Umgang mit dem Unbekannten. Wir haben erlebt, dass das Leben auch dann weitergeht - oft sogar besonders schön weitergeht - wenn man nicht alles unter Kontrolle hat.

Das klingt einfach. Das ist es aber nicht. Trotzdem stimmt es.

 

Kein Heimweh. Nicht eine Sekunde.

Es gibt eine Frage, die uns Menschen immer wieder stellen: „Habt ihr denn kein Heimweh gehabt?"

Die Antwort ist einfach und eindeutig: Nein. Nicht ein einziges Mal. Keine Sekunde.

Das sagt viel – über die Reise, über uns, über das, was wir in Deutschland zurückgelassen haben und was wir vielleicht schon vor der Abreise hinter uns gelassen hatten, ohne es zu wissen.

Vor anderen Fragen, die uns nach unserer Rückkehr nach Deutschland erwarten, graut es uns jetzt bereits: „Wie war's?", „Was hat euch am besten gefallen?" - Darauf werden wir keine Antwort geben können. Wie soll man ein Jahr in Worte fassen, das aus Tausenden von Momenten besteht, die alle wichtig waren, jeder auf seine Art? Man kann es nicht. Man kann nur lächeln und hoffen, dass das Gegenüber irgendwann versteht, dass die Frage selbst das Problem ist.

Auf die Freunde, die wir wiedersehen werden, freuen wir uns. Das ist aufrichtig und ohne Einschränkung. Nur das alte Leben - das wollen wir nicht wiedersehen.

 

Ein zurück kann es nicht geben

Der Gedanke an unser altes Leben erschreckt uns. Das klingt dramatisch, ist aber schlicht ehrlich.

Wir sind andere Menschen geworden. Alle fünf. Und andere Menschen können nicht in dasselbe Leben zurückkehren, das sie verlassen haben – selbst wenn es noch dort stünde, wie eingemottet und unberührt. Es steht nicht mehr dort. Es hat sich verändert. Wir haben uns verändert. Das passt nicht mehr zusammen.

Also müssen wir unser Leben in Deutschland neu gestalten. Anders. Das ist eine Herausforderung - vielleicht die größte, die nach dieser Reise noch kommt. Wir wissen noch nicht genau, wie das aussehen wird. Aber wir wissen, wie es sich nicht anfühlen darf.

 

Europa von außen betrachtet

Die Zeit in Südostasien hat uns etwas gezeigt, das man von innen heraus kaum sehen kann: wie unkompliziert das Leben sein kann, wenn man es lässt. Wie wenig Perfektionismus wirklich bringt, wenn die Strukturen, die er stützen soll, längst nicht mehr funktionieren.

Europa ist in die Jahre gekommen. Das klingt hart - aber wer monatelang in Ländern gelebt hat, die mit einem Bruchteil unserer Mittel und einem Vielfachen unserer Energie nach vorne blicken, der sieht den alten Kontinent mit anderen Augen. Europa spielt in der großen weiten Welt eine deutlich kleinere Rolle, als man glaubt, wenn man es nur von innen betrachtet.

Insbesondere in Deutschland klammern wir uns an Strukturen, die längst nicht mehr tragen. Stattdessen machen sie das Leben unnötig kompliziert. Wir erleben das derzeit am eigenen Leib: Wir hatten unsere Krankenversicherung während unserer Reise pausiert - logisch, notwendig, geregelt. Doch statt einfach wieder auf "Play" zu drücken, erwartete uns der gesamte Neuaufnahmeprozess, seltsame Formulare, Fragen nach der Arbeitserlaubnis in Deutschland - als wären wir Fremde im eigenen Land. Und zur Begrüßung: eine Nachzahlung in vierstelliger Höhe für 2024.

Deutschland zeigt sich mal wieder von seiner behördlichen, bürokratischen Seite. Danke - für nichts.

 

Was uns bewegt

Maximilian wird bald 18. Er wird Post von der Bundeswehr bekommen. Seine Antwort steht fest.

Wir alle machen uns Sorgen - um die Zukunft, um Sicherheit, um das, was in Mitteleuropa gerade passiert und noch passieren wird. Die geopolitischen Veränderungen der letzten Jahre sind auch von Hoi An aus nicht zu übersehen. Man schaut von außen auf Europa und fragt sich manchmal, wohin das alles führt.

Aber wir wollen nicht zu schwarz malen. Es hilft nichts, und es entspricht auch nicht unserem Grundgefühl. Wir sind keine Pessimisten. Wir sind Realisten, die gelernt haben, das Gute zu sehen - und es aktiv zu wählen.

 

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge

Die geopolitische Lage müssen wir auch bei unserer Rückreise nach Europa im Auge behalten. Wir entscheiden uns für Air China. China hat als eines der wenigen Länder noch eine Überflugerlaubnis über russischen Luftraum. Also werden wir per Direktflug über Beijing nach Madrid reisen. Dort nehmen wir wie immer einen Mietwagen und erkunden den Süden Spaniens - eine Art sanfte Wiedereingliederungsmaßnahme in Europa, bevor Deutschland uns wieder hat.

Und dann? Dann kommen wir heim. Schweren Herzens, aber nicht ohne Vorfreude.

Denn mit dem Reisen hören wir nicht auf. Maximilian fährt nach wenigen Tagen zuhause mit einem Freund nach Schweden. Sebastian plant für Mitte September etwas, von dem er schon lange geträumt hat. Irene wird danach ihre eigene Selfcare-Reise unternehmen.

Es bleibt dabei: Wir reisen jetzt. Nicht irgendwann. Nicht im Urlaub. Jetzt. Das ist keine Laune, kein Luxus, keine Phase. Es ist eine Grundhaltung. Eine Entscheidung, wie wir leben wollen.

Und die haben wir getroffen.

Warum wir uns für eine Weltreise mit schulpflichtigen Kindern entschieden haben – und was es mit unserem Mindset gemacht hat

Irgendwann gegen Ende des Jahres 2023 haben wir eine Entscheidung getroffen, die unser Leben komplett auf den Kopf stellen würde: Wir nehmen uns eine Auszeit, ein ganzes Jahr, um die Welt zu bereisen. Ein Sabbatjahr – etwas, das für uns lange wie ein schöner Traum klang, aber nie wirklich greifbar war. Doch je mehr wir uns damit befasst haben, desto klarer wurde: Das ist nicht nur ein Traum. Es ist machbar. Es braucht nur das richtige Mindset.

 

Der erste Funke: Warum eigentlich nicht?

Die Idee kam nicht über Nacht. Es war ein schleichender Prozess, ein Gedanke, der immer wieder aufkam, wenn wir von unseren langen Reisen mit unserem Wohnmobil zurückkehrten, in Reiseerinnerungen schwelgten oder uns von Dokumentationen inspirieren ließen. Eigentlich ist unsere Entscheidung im Nachhinein betrachtet nur die logische Konsequenz unserer bisherigen Reiseaktivitäten. Aber da war auch immer diese Stimme im Kopf: Geht das überhaupt? Können wir das wirklich machen? Geht das überhaupt mit schulpflichtigen Kindern?

Anfangs überwogen die Zweifel: der Job, das Haus, die Finanzen, die Schule der Kinder, all die Verpflichtungen des Alltags. Doch dann drehten wir die Frage um: Warum eigentlich nicht? Was hält uns wirklich davon ab?

Mindset: Von „irgendwann“ zu „wir Reisen Jetzt!“

Wir begannen, uns bewusster mit dem Thema zu beschäftigen. Je mehr wir darüber sprachen, desto realer wurde die Vorstellung. Wir lasen Reiseblogs, hörten Podcasts, sprachen mit Menschen, die Ähnliches gewagt hatten. Und vor allem machten wir uns klar: Es gibt immer Gründe, etwas nicht zu tun – aber wenn wir es wirklich wollen, gibt es auch Wege, es möglich zu machen. - Und diese Wege wollen wir jetzt gehen. 

Mit jedem konkreteren Gedanken wurde die Liste der Dinge, die wir klären mussten, länger. Und das war ein gutes Zeichen! Denn es bedeutete, dass wir uns nicht mehr fragten, ob wir es tun, sondern wie wir es umsetzen.

Die To-do-Liste wuchs – und unser Mut auch

Ein Sabbatjahr bedeutet weit mehr als nur eine lange Reise. Es bedeutet, sein komplettes Leben für eine Weile umzustellen. Plötzlich standen wir vor großen Fragen:

Am Anfang fühlten sich diese Fragen wie riesige Hürden an. Doch je tiefer wir einstiegen, desto mehr merkten wir: Alles ist lösbar. Manche Dinge brauchen Mut, andere eine Menge Organisation, aber nichts davon ist unmöglich.

Der Wendepunkt: Wir setzen es in Bewegung

Nachdem wir ein halbes Jahr lang an unserem Mindset gearbeitet hatten, folgten die ersten konkreten Schritte. So richtig verbindlich wurde es aber erst, als wir unseren Plan nicht mehr nur für uns behielten, sondern begannen, darüber zu sprechen. Wir erzählten Familie und Freunden davon – und plötzlich fühlte es sich nicht mehr nur wie eine Idee an, sondern wie eine Realität in der Mache.

Natürlich gab es skeptische Reaktionen. Und was ist mit eurem Betrieb? Ist das nicht riskant? Wie macht ihr das mit der Schule?

Klar, das sind berechtigte Fragen. Aber wir hatten uns bereits so intensiv damit auseinandergesetzt, dass wir darauf Antworten hatten. Und vor allem hatten wir eins: Die Überzeugung, dass wir das Richtige tun.

Irene & Sebastian | wirreisenjetzt.de

Was wir aus diesem Prozess gelernt haben

Eine Weltreise zu planen, ist eine riesige organisatorische Aufgabe. Aber die eigentliche Herausforderung beginnt im Kopf. Sich wirklich auf die Idee einzulassen, anstatt sie nur als „irgendwann mal“ abzutun – das war der größte Schritt.

Unser Learning: Wenn man sich mit einer großen Idee intensiv beschäftigt, verliert sie ihren Schrecken. Die Hürden werden greifbarer – und damit lösbarer. Und am Ende ist es oft nur eine Frage des Mindsets: Träumst Du weiter – oder setzt Du den ersten Schritt?

Wir haben unseren ersten Schritt gemacht. Unsere Reise beginnt.

Irene und Sebastian

Irene & Sebastian | wirreisenjetzt.de