Vietnam

Eine Woche Bangkok

Manchmal reist man nicht, weil man einen Ort unbedingt sehen möchte, sondern weil ein Stempel fehlt. Unser Abstecher nach Bangkok war genau so ein Fall: ein klassischer Visa-Run. Unser Vietnam-Visum lief aus, so dass wir ausreisen mussten, obwohl wir mit diesem faszinierenden Land noch lange nicht fertig sind. Unser Plan war daher: Ausreise aus Vietnam, eine Woche Bangkok, dann wieder zurück. Und doch sollte auch dieser Umweg Teil unserer Geschichte werden.

Natürlich blicken wir mit Sorge auf den voll eskalierten Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha. Bis zuletzt waren wir hin- und hergerissen, welches dieser beiden Länder wir für den Visa-Run nutzen wollten. Die Entscheidung war kurz vor den ersten kriegerischen Auseinandersetzungen auf Thailand gefallen. Ein wenig mulmig ist uns dabei schon zumute. Doch nach eingehender Beschäftigung mit den Reisewarnungen und den Auswirkungen des Kriegs auf das Hinterland beschließen wir, die Reise anzutreten.

Wir verlassen Da Nang nur mit Handgepäck. Unsere großen Koffer lassen wir bei Martin, dem Inhaber des EasyLife Hotels in Hoi An, in dem wir die letzte Woche in Vietnam verbracht haben. Martin ist Deutscher und betreibt dieses kleine Hotel mit einer Herzlichkeit und Liebe zum Detail, die man sofort spürt. Die Lage ist fantastisch, die Atmosphäre entspannt – ein Ort, an dem man gern länger bleibt. Umso beruhigender ist es, unsere Sachen dort in guten Händen zu wissen.

Der Flug nach Bangkok ist kurz, die Ankunft gewohnt hektisch. Schon auf dem Weg in die Stadt wird klar: Bangkok ist groß. Sehr groß. Und laut. Und heiß. Eine Metropole, die niemals stillsteht. Während unseres Aufenthaltes in Bangkok fliegen zudem immer wieder Hubschraubergeschwader über unsere Köpfe Richtung Grenze, wo sich Thailand und Kambodscha heftige Gefechte liefern.

 

Warane & Trubel im Lumphini Park

Unser erster Ausflug führt uns in den Lumphini Park, die grüne Lunge Bangkoks. Eigentlich hatten wir vor, durch die Wege zu spazieren, die Ruhe zu genießen und ein bisschen Abstand vom Verkehr zu bekommen. Doch an diesem Tag findet dort das Red Cross Fair statt – ein großes Charity-Event mit langer Tradition.

Der Park ist voller Menschen. Überall Stände mit Essen, kleine Bühnen, Spiele, Musik. Wir probieren uns durch thailändische Snacks, beobachten Familien, Kinder, ältere Paare, die gemeinsam durch das Fest schlendern. Vom eigentlichen Park sehen wir kaum etwas – aber das stört uns nicht.

Denn eines sehen wir ganz sicher: die berühmten Bindenwarane. Riesige, urzeitlich wirkende Echsen, die völlig selbstverständlich durch den Park ziehen, in Teichen schwimmen oder regungslos in der Sonne liegen. Bis zu zwei Meter lang, beeindruckend und ein wenig ehrfurchtgebietend. Die Kinder sind fasziniert, wir staunen – Natur mitten in der Großstadt, ganz ohne Absperrung.

 

Was Bedeutet Zeit?

Seit Sri Lanka ist das Armband von Sebastians geliebter Uhr defekt. In Singapur hatten wir wegen eines Feiertags keinen Termin im Service Center bekommen – also setzten wir unsere Hoffnung auf Bangkok, wo wir einen Termin im Service Center in der Nähe des Lumphini Parks erhalten haben. Doch die Ernüchterung folgt schnell: Eine Reparatur ist ohne weiteres nicht möglich, ein Teil des Armbands muss komplett ersetzt werden. Lieferzeit: drei bis vier Monate.

Vielleicht sollte es so sein. Zeit spielt für uns ohnehin keine wirkliche Rolle mehr. Also freundet sich Sebastian mit dem Gedanken an, auch in Zukunft ohne Uhr zu reisen. (Sie ist inzwischen zurück in Deutschland, aber das ist eine andere Geschichte.)

 

Der Chatuchak Market – ein eigener Kosmos

Natürlich darf ein Besuch auf dem Chatuchak Market nicht fehlen. Mit über 15.000 Ständen gilt er als einer der größten Wochenendmärkte der Welt. Kleidung, Kunsthandwerk, Pflanzen, Möbel, Streetfood, Souvenirs – alles existiert hier nebeneinander, in einem schier endlosen Labyrinth aus Gassen und Gerüchen.

Wir treiben hindurch, verlieren uns, finden uns wieder, schwitzen, lachen, staunen. Chatuchak ist kein Markt, den man „abhakt“. Er ist ein Erlebnis, ein eigener Kosmos – überwältigend, chaotisch, faszinierend.

 

Gold, Glanz und Geschichte

In den nächsten Tagen widmen wir uns den großen Sehenswürdigkeiten Bangkoks. Allen voran der Königspalast mit dem Wat Phra Kaeo, dem Tempel des Smaragd- bzw. Jadebuddhas. Schon beim Betreten der Anlage wird man geblendet: Gold, wohin man blickt. Dächer, Stupas, Fassaden – alles glänzt, funkelt, strahlt in der Sonne.

 

Der Jadebuddha selbst ist überraschend klein, aber von enormer Bedeutung. Umgeben von kostbaren Materialien, bewacht und verehrt, strahlt er eine stille Würde aus. Die gesamte Anlage ist so prunkvoll, dass sie fast unwirklich wirkt. Wir sind überwältigt – und zugleich ein wenig erschlagen von dieser Dichte an Glanz und Symbolik.

Ganz anders der Wat Pho mit seinem riesigen liegenden Gold-Buddha.

46 Meter lang, 15 Meter hoch, mit kunstvoll verzierten Fußsohlen. Doch es ist nicht nur diese Statue, die uns beeindruckt. Die weitläufige Anlage mit ihren Innenhöfen, kleinen Tempeln, schattigen Wegen lädt zum Verweilen ein.

Wir verbringen hier mehrere Stunden, sitzen flanieren durch die Höfe und staunen – ein wohltuender Kontrast zum Trubel der Stadt.

 

Am nächsten Tag erklimmen wir den Golden Mount, den Wat Saket. Über eine spiralförmige Treppe geht es hinauf, vorbei an Glocken, die wir nach und nach anschlagen. Es ist überraschend ruhig hier oben. Der Blick über Bangkok ist weit, der Ort friedlich – ein Moment der Stille über dem Moloch.

  

Essen, Märkte und das echte Bangkok

Abends zieht es uns auf die lokalen Märkte. Bangkok ist ein Paradies für Streetfood. Die Auswahl ist schier endlos: gebraten, gedämpft, gegrillt, süß, scharf, sauer. Wir probieren uns durch, begeistert von der Vielfalt und Qualität.

Besonders angetan hat es uns der Ramkhamhaeng Night Market. Weniger touristisch, dafür umso authentischer. Hier erlebt man die ganze Bandbreite thailändischer Küche – und das echte Leben der Stadt.

    

 

Real Talk: Was uns an Bangkok nicht wirklich gefallen hat

So faszinierend Bangkok ist – es gibt auch Dinge, die uns ehrlich gesagt genervt haben. Die Stadt ist ein Riesenmoloch, die Infrastruktur oft eine Zumutung. Es gibt zwar einige Metrolinien, doch sie sind schlecht miteinander verbunden. Bei jedem Umsteigen muss ein neues Ticket gekauft werden – ausschließlich bar.

Stattdessen nutzen wir häufig die Kanalboote, die im Zehn-Minuten-Takt verkehren. Sie sind günstiger, komfortabler und man sieht viel mehr von der Stadt. Bangkok vom Wasser aus zu erleben, fühlt sich fast wie eine kleine Zeitreise an.

Bargeld bekommt man nur gegen hohe Abhebungsgebühren, etwa 6,77 € pro Abhebung, unabhängig vom Betrag und unabhängig von der genutzten Kreditkarte. Selbst unsere sonst zuverlässige TradeRepublic-Karte, mit der wir auf der ganzen Welt gebührenfrei Bargeld holen können, hilft hier nicht.

 

Fazit – ein Umweg, der sich gelohnt hat

Bangkok ist eine pulsierende, faszinierende Metropole. Die Pracht des historischen Zentrums ist beeindruckend, das Essen in seiner Vielfalt kaum zu übertreffen. Auch wenn dieser Aufenthalt in erster Linie notwendig war, blicken wir voller positiver Erinnerungen zurück.

Und doch sind wir am Ende alle froh, wieder nach Hoi An zurückzufliegen. Denn dort wartet bereits das nächste Kapitel unserer Reise.

Wir mieten ein Haus. Mit vietnamesischem Mietvertrag. In einer ruhigen Nachbarschaft, in der Einheimische leben. Die Wiedereinreise nach Vietnam ist allerdings zäh – fast anderthalb Stunden warten wir in Da Nang an der Immigration, bis wir endlich unseren Stempel bekommen.

Als wir schließlich tief in der Nacht ankommen, ist alles vorbereitet. Die Vermieterin hat den Schlüssel stecken lassen. Erschöpft, aber glücklich beziehen wir unser neues Zuhause.

Und plötzlich ist da dieses Gefühl:
Wir bleiben.
Wir feiern Weihnachten und den Jahreswechsel hier.
Ganz anders als je zuvor.

Ein weiteres neues Kapitel beginnt.

 

Top-Sehenswürdigkeiten, Essen & Tipps

Vietnam mit Kindern entdecken: Tipps für unvergessliche Familienabenteuer

Vietnam hat sich zu einem der spannendsten Reiseziele Südostasiens entwickelt – besonders für Familien. Mit seiner vielfältigen Landschaft, freundlichen Bevölkerung und kostengünstigen Infrastruktur bietet das Land ideale Voraussetzungen für ein unvergessliches Familienabenteuer.

Must-See-Sehenswürdigkeiten für Familien

Vietnams Highlights sind so abwechslungsreich wie seine Kultur. Hier unsere Top-Empfehlungen:

  • Halong-Bucht: Ein UNESCO-Weltnaturerbe, das mit smaragdgrünen Gewässern und karstigen Inseln beeindruckt. Familien können hier Kajak fahren, Höhlen wie die Sung Sot-Höhle erkunden oder auf traditionellen Dschunken übernachten. Teenager lieben die Instagram-tauglichen Sonnenuntergänge, während jüngere Kinder das Muschelsammeln an einsamen Stränden genießen.
  • Hoi An: Die malerische Altstadt mit Laternenbeleuchtung und Fahrradtouren durch Reisfelder begeistert alle Altersgruppen. Besuchen Sie eine Kochschule – hier lernen Kinder, wie man Frühlingsrollen formt oder Banh Mi zubereitet.
  • Sapa: Trekking-Touren durch terrassierte Reisfelder und Begegnungen mit ethnischen Minderheiten bieten kulturelle Einblicke. Übernachten Sie in einem Homestay, wo Familien gemeinsam mit Einheimischen kochen und traditionelle Spiele spielen.
  • Phong Nha-Ke Bang Nationalpark: Abenteuerlustige Familien erkunden hier spektakuläre Höhlen wie die Paradise Cave oder die riesige Son-Doong-Höhle (für Teenager geeignet).
  • Mekong-Delta: Bootsfahrten durch schwimmende Märkte und Besuche von Obstplantagen zeigen Vietnams ländliche Seite. Kinder staunen über Kokosnuss-Süßigkeiten und exotische Früchte wie Rambutan.

Fortbewegung in Vietnam: Stressfrei unterwegs mit Kindern

Vietnams Infrastruktur ist gut ausgebaut, erfordert aber Planung:

  • Inlandsflüge: Schnell und günstig (ab 20 €) verbinden sie Städte wie Hanoi, Da Nang und Ho-Chi-Minh-Stadt. Ideal, um lange Busfahrten zu vermeiden.
  • Nachtzüge: Die Reunification Express-Linie von Nord nach Süd bietet Schlafwagen mit Familienabteilen. Züge sind sicherer und komfortabler als Busse, allerdings langsamer.
  • Private Fahrer: Ein Auto mit Chauffeur (ab 50 €/Tag) gibt Flexibilität für spontane Stopps. Kindersitze sind selten – daher eigene mitnehmen oder Sicherheitsgurte nutzen.
  • Grab-Taxis: Die App-basierte Buchung sichert feste Preise und englischsprachige Fahrer. Perfekt für Stadtexkursionen.

Tipp: Vermeide Mietwagen – der chaotische Verkehr (über 8 Millionen Motorräder!) ist für Ungeübte riskant.

Vietnamesische Küche: Ein Fest für kleine und große Gaumen

Vietnams Essen ist frisch, vielfältig und oft kinderfreundlich:

  • Pho: Die Nationalspeise (Reisnudelsuppe mit Huhn/Rind) wird morgens serviert und ist mild gewürzt. Perfekt für empfindliche Mägen.
  • Banh Mi: Knusprige Baguettes gefüllt mit Gemüse, Fleisch oder Ei – ein praktischer Snack für unterwegs.
  • Goi Cuon: Ungefüllte Frühlingsrollen mit Erdnusssoße – gesund und beliebt bei Kindern.
  • Kaffee-Kreationen: Probieren Sie Egg Coffee (mit Schaumcreme) oder Coconut Coffee – auch als Eiskaffee ein Hit.

Sicherheitstipps:

Streetfood nur an belebten Ständen mit frischer Zubereitung wählen.

Trinkwasser ausschließlich aus Flaschen nutzen – auch zum Zähneputzen.

Praktische Tipps für die Familienreise

1. Gesundheitsvorsorge:

  • Impfungen wie Hepatitis A und Tetanus sind empfohlen. Malaria-Prophylaxe wird für ländliche Gebiete angeraten.
  • Packe Mückenschutz mit DEET ein, Sonnencreme (LSF 50+) und eine Reiseapotheke mit Durchfallmittel sowie Fieberthermometer.

2. Unterkünfte:

  • Homestays: Bei lokalen Familien in Sapa oder Mai Chau lernen Kinder das ländliche Leben kennen. Viele bieten große Zimmer und Spielmöglichkeiten.
  • Hotels mit Pool: In Städten wie Hanoi oder Hoi An sorgen Pools für Abkühlung nach Sightseeing-Touren.

3. Kultur & Sicherheit:

  • Vietnamesen lieben Kinder – erwarten Sie viel Aufmerksamkeit, Fotos und spontane Umarmungen. Klären Sie ältere Kinder darauf vor, um Verunsicherung zu vermeiden.
  • Straßenüberquerungen erfordern Geduld: Langsam und stetig gehen – der Verkehr weicht aus! Halten Sie jüngere Kinder immer an der Hand.

4. Beste Reisezeit:

  • Februar–April: Trocken und mild (18–30°C), ideal für Rundreisen.
  • Dezember–Januar: Kühler im Norden (ab 10°C), perfekt für Trekking in Sapa.

 

Warum Vietnam perfekt für Familien ist

Viele Hotels und Touranbieter haben Angebote für Familien im Programm. Digitale Tools wie die Grab-App oder Online-Buchungsplattformen machen die Planung einfacher denn je. Zudem ist Vietnam sicherer als viele europäische Destinationen – Die Kriminalitätsrate ist niedrig, und die medizinische Versorgung in Großstädten entspricht internationalen Standards.

Fazit:
Vietnam vereint Abenteuer und Entspannung wie kaum ein anderes Land. Ob beim Paddeln zwischen Kalksteinfelsen, beim gemeinsamen Kochen in Hoi An oder beim Lachen mit einheimischen Kindern in Sapa – hier entstehen Erinnerungen fürs Leben. Mit etwas Vorbereitung wird Deine Familienreise zu einem mühelosen Erfolg, der Groß und Klein begeistert.

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Eine Woche Bangkok

Manchmal reist man nicht, weil man einen Ort unbedingt sehen möchte, sondern weil ein Stempel fehlt. Unser Abstecher nach Bangkok war genau so ein Fall: ein klassischer Visa-Run. Unser Vietnam-Visum lief aus, so dass wir ausreisen mussten, obwohl wir mit diesem faszinierenden Land noch lange nicht fertig sind. Unser Plan war daher: Ausreise aus Vietnam, eine Woche Bangkok, dann wieder zurück. Und doch sollte auch dieser Umweg Teil unserer Geschichte werden.

Natürlich blicken wir mit Sorge auf den voll eskalierten Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha. Bis zuletzt waren wir hin- und hergerissen, welches dieser beiden Länder wir für den Visa-Run nutzen wollten. Die Entscheidung war kurz vor den ersten kriegerischen Auseinandersetzungen auf Thailand gefallen. Ein wenig mulmig ist uns dabei schon zumute. Doch nach eingehender Beschäftigung mit den Reisewarnungen und den Auswirkungen des Kriegs auf das Hinterland beschließen wir, die Reise anzutreten.

Wir verlassen Da Nang nur mit Handgepäck. Unsere großen Koffer lassen wir bei Martin, dem Inhaber des EasyLife Hotels in Hoi An, in dem wir die letzte Woche in Vietnam verbracht haben. Martin ist Deutscher und betreibt dieses kleine Hotel mit einer Herzlichkeit und Liebe zum Detail, die man sofort spürt. Die Lage ist fantastisch, die Atmosphäre entspannt – ein Ort, an dem man gern länger bleibt. Umso beruhigender ist es, unsere Sachen dort in guten Händen zu wissen.

Der Flug nach Bangkok ist kurz, die Ankunft gewohnt hektisch. Schon auf dem Weg in die Stadt wird klar: Bangkok ist groß. Sehr groß. Und laut. Und heiß. Eine Metropole, die niemals stillsteht. Während unseres Aufenthaltes in Bangkok fliegen zudem immer wieder Hubschraubergeschwader über unsere Köpfe Richtung Grenze, wo sich Thailand und Kambodscha heftige Gefechte liefern.

 

Warane & Trubel im Lumphini Park

Unser erster Ausflug führt uns in den Lumphini Park, die grüne Lunge Bangkoks. Eigentlich hatten wir vor, durch die Wege zu spazieren, die Ruhe zu genießen und ein bisschen Abstand vom Verkehr zu bekommen. Doch an diesem Tag findet dort das Red Cross Fair statt – ein großes Charity-Event mit langer Tradition.

Der Park ist voller Menschen. Überall Stände mit Essen, kleine Bühnen, Spiele, Musik. Wir probieren uns durch thailändische Snacks, beobachten Familien, Kinder, ältere Paare, die gemeinsam durch das Fest schlendern. Vom eigentlichen Park sehen wir kaum etwas – aber das stört uns nicht.

Denn eines sehen wir ganz sicher: die berühmten Bindenwarane. Riesige, urzeitlich wirkende Echsen, die völlig selbstverständlich durch den Park ziehen, in Teichen schwimmen oder regungslos in der Sonne liegen. Bis zu zwei Meter lang, beeindruckend und ein wenig ehrfurchtgebietend. Die Kinder sind fasziniert, wir staunen – Natur mitten in der Großstadt, ganz ohne Absperrung.

 

Was Bedeutet Zeit?

Seit Sri Lanka ist das Armband von Sebastians geliebter Uhr defekt. In Singapur hatten wir wegen eines Feiertags keinen Termin im Service Center bekommen – also setzten wir unsere Hoffnung auf Bangkok, wo wir einen Termin im Service Center in der Nähe des Lumphini Parks erhalten haben. Doch die Ernüchterung folgt schnell: Eine Reparatur ist ohne weiteres nicht möglich, ein Teil des Armbands muss komplett ersetzt werden. Lieferzeit: drei bis vier Monate.

Vielleicht sollte es so sein. Zeit spielt für uns ohnehin keine wirkliche Rolle mehr. Also freundet sich Sebastian mit dem Gedanken an, auch in Zukunft ohne Uhr zu reisen. (Sie ist inzwischen zurück in Deutschland, aber das ist eine andere Geschichte.)

 

Der Chatuchak Market – ein eigener Kosmos

Natürlich darf ein Besuch auf dem Chatuchak Market nicht fehlen. Mit über 15.000 Ständen gilt er als einer der größten Wochenendmärkte der Welt. Kleidung, Kunsthandwerk, Pflanzen, Möbel, Streetfood, Souvenirs – alles existiert hier nebeneinander, in einem schier endlosen Labyrinth aus Gassen und Gerüchen.

Wir treiben hindurch, verlieren uns, finden uns wieder, schwitzen, lachen, staunen. Chatuchak ist kein Markt, den man „abhakt“. Er ist ein Erlebnis, ein eigener Kosmos – überwältigend, chaotisch, faszinierend.

 

Gold, Glanz und Geschichte

In den nächsten Tagen widmen wir uns den großen Sehenswürdigkeiten Bangkoks. Allen voran der Königspalast mit dem Wat Phra Kaeo, dem Tempel des Smaragd- bzw. Jadebuddhas. Schon beim Betreten der Anlage wird man geblendet: Gold, wohin man blickt. Dächer, Stupas, Fassaden – alles glänzt, funkelt, strahlt in der Sonne.

 

Der Jadebuddha selbst ist überraschend klein, aber von enormer Bedeutung. Umgeben von kostbaren Materialien, bewacht und verehrt, strahlt er eine stille Würde aus. Die gesamte Anlage ist so prunkvoll, dass sie fast unwirklich wirkt. Wir sind überwältigt – und zugleich ein wenig erschlagen von dieser Dichte an Glanz und Symbolik.

Ganz anders der Wat Pho mit seinem riesigen liegenden Gold-Buddha.

46 Meter lang, 15 Meter hoch, mit kunstvoll verzierten Fußsohlen. Doch es ist nicht nur diese Statue, die uns beeindruckt. Die weitläufige Anlage mit ihren Innenhöfen, kleinen Tempeln, schattigen Wegen lädt zum Verweilen ein.

Wir verbringen hier mehrere Stunden, sitzen flanieren durch die Höfe und staunen – ein wohltuender Kontrast zum Trubel der Stadt.

 

Am nächsten Tag erklimmen wir den Golden Mount, den Wat Saket. Über eine spiralförmige Treppe geht es hinauf, vorbei an Glocken, die wir nach und nach anschlagen. Es ist überraschend ruhig hier oben. Der Blick über Bangkok ist weit, der Ort friedlich – ein Moment der Stille über dem Moloch.

  

Essen, Märkte und das echte Bangkok

Abends zieht es uns auf die lokalen Märkte. Bangkok ist ein Paradies für Streetfood. Die Auswahl ist schier endlos: gebraten, gedämpft, gegrillt, süß, scharf, sauer. Wir probieren uns durch, begeistert von der Vielfalt und Qualität.

Besonders angetan hat es uns der Ramkhamhaeng Night Market. Weniger touristisch, dafür umso authentischer. Hier erlebt man die ganze Bandbreite thailändischer Küche – und das echte Leben der Stadt.

    

 

Real Talk: Was uns an Bangkok nicht wirklich gefallen hat

So faszinierend Bangkok ist – es gibt auch Dinge, die uns ehrlich gesagt genervt haben. Die Stadt ist ein Riesenmoloch, die Infrastruktur oft eine Zumutung. Es gibt zwar einige Metrolinien, doch sie sind schlecht miteinander verbunden. Bei jedem Umsteigen muss ein neues Ticket gekauft werden – ausschließlich bar.

Stattdessen nutzen wir häufig die Kanalboote, die im Zehn-Minuten-Takt verkehren. Sie sind günstiger, komfortabler und man sieht viel mehr von der Stadt. Bangkok vom Wasser aus zu erleben, fühlt sich fast wie eine kleine Zeitreise an.

Bargeld bekommt man nur gegen hohe Abhebungsgebühren, etwa 6,77 € pro Abhebung, unabhängig vom Betrag und unabhängig von der genutzten Kreditkarte. Selbst unsere sonst zuverlässige TradeRepublic-Karte, mit der wir auf der ganzen Welt gebührenfrei Bargeld holen können, hilft hier nicht.

 

Fazit – ein Umweg, der sich gelohnt hat

Bangkok ist eine pulsierende, faszinierende Metropole. Die Pracht des historischen Zentrums ist beeindruckend, das Essen in seiner Vielfalt kaum zu übertreffen. Auch wenn dieser Aufenthalt in erster Linie notwendig war, blicken wir voller positiver Erinnerungen zurück.

Und doch sind wir am Ende alle froh, wieder nach Hoi An zurückzufliegen. Denn dort wartet bereits das nächste Kapitel unserer Reise.

Wir mieten ein Haus. Mit vietnamesischem Mietvertrag. In einer ruhigen Nachbarschaft, in der Einheimische leben. Die Wiedereinreise nach Vietnam ist allerdings zäh – fast anderthalb Stunden warten wir in Da Nang an der Immigration, bis wir endlich unseren Stempel bekommen.

Als wir schließlich tief in der Nacht ankommen, ist alles vorbereitet. Die Vermieterin hat den Schlüssel stecken lassen. Erschöpft, aber glücklich beziehen wir unser neues Zuhause.

Und plötzlich ist da dieses Gefühl:
Wir bleiben.
Wir feiern Weihnachten und den Jahreswechsel hier.
Ganz anders als je zuvor.

Ein weiteres neues Kapitel beginnt.